Onlinetexter

Im Dialog mit dem Leser

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Der Autor und sein Leser. Eine ungleiche Beziehung. Der Autor artikuliert seine Gedanken, der Leser versucht sie zu verstehen. Der eine ist ganz kreativ, der andere der passive Konsument. Aber ist das wirklich so? Passiert beim Lesen eines Textes nicht viel mehr?

Wenn der Vortrag zur Interaktion wird

Wer persönlich vor seinem Publikum spricht, kann mit seinen Zuhörern interagieren. Das geschieht auch ganz ohne Wortmeldungen oder Zwischenrufe. Ein guter Redner entwickelt ein Gespür für die Reaktionen seines Publikums. Hängt der Zuhörer voller Interesse an den Lippen des Sprechers? Oder ist es abgelenkt, überhaupt nicht beim Thema. Ja, vielleicht befinden sich bereits die ersten Handys in den Fingern des Publikums? Ein sehr schlechtes Zeichen. Wer regelmäßig auf der Bühne steht, entwickelt ein großes Gespür dafür, was in den Zuhörern gerade vor sich geht. Das ist der Schlüssel zum Erfolg für einen guten Comedian. Oder für einen Schauspieler im Theater. Gibt es einen vergleichbaren Effekt beim Verfassen von Online-Text?

Der Online-Texter und sein Publikum

Der Online-Texter kann nicht in die Augen seiner Leser schauen. Fesselt der Text wirklich bis zur letzten Zeile? Oder bricht der Leser in der Mitte des Textes ab? Ja, es gibt technische Methoden festzustellen, wie lange ein Besucher auf der aufgerufenen Seite verweilt. Ein vergleichsweise schwaches Instrument das Leserverhalten zu analysieren. Ob die Augen noch auf den Text gerichtet sind oder ob der Adressat schon längst mit ganz anderen Aktivitäten beschäftigt ist, der Verfasser eines Textes wird es vermutlich nie erfahren. Ja, eine lange Verweildauer auf der Webseite ist ein gutes Zeichen. Immerhin.

Wie der Autor mit seinem Leser kommuniziert

Das Verhältnis zwischen dem Autoren und seinem Leser ist trotzdem ein ganz besonderes Konzept der Kommunikation. Der Autor hat ein Bild im Kopf. Und dieses wird in Worten ausformuliert. Auch der Empfänger der Inhalte hat ein Bild im Kopf. Das ist meistens nicht identisch mit dem Bild des Autoren. Es wird vielmehr zu einer Mischung aus den eigenen Gedanken und Erfahrungen des Lesers und der Botschaft des Schreiberlings. Und genau hieraus entsteht so etwas wie ein Dialog, eine Kommunikation. Der Inhalt geht durch das Bewusstsein von zwei verschiedenen Individuen. Und manchmal entsteht auch etwas völlig neues daraus.

Wie der Autor den Dialog forciert

Natürlich kann der Autor auch einiges dafür tun, diesen Dialog anzuheizen. So etwa durch rethorische Fragen. Durch Gedanken, die den Leser zur Reflexion ermutigen. Durch persönliche Erfahrungen, in denen sich die Leser womöglich wiederfinden. Durch eine lebendige, ja auch humorvolle Sprache, die Emotionen beim Leser hervorrufen kann. So wie ein guter Freund, der eine interessante Geschichte oder einen Witz erzählt.

Kommentare: Der wahre Dialog

Bieten Sie den Lesern auf Ihrer Webseite an, Kommentare zu schreiben. Dann wird aus einem Text ein wirklicher Dialog. Sie kennen das sicherlich aus vielen Videos bei YouTube. Irgendwann kommt eine Frage und die Aufforderung "Dann schreibt es unten in die Kommentare". Das geht natürlich auch beim Online-Text. Ermutigen Sie den Leser, aus eigenen Erfahrungen zu berichten. Und versäumen Sie es nicht, auf Kommentare wieder zu antworten. Vielleicht wird ein Dialog daraus? Der Leser kommt immer wieder zum bereits gelesenen Artikel zurück, um wieder etwas zu schreiben. Und daraus ergibt sich noch ein positiver Nebeneffekt: Der Content auf der Seite wird immer länger. Gewiss auch kein Nachteil für die Suchmaschinenoptimierung.


Foto: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay
Artikel geschrieben von Andreas Mettler
Veröffentlicht am Freitag, 6. November 2026
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